Herzlich Willkommen bei der Seelsorge!

Infoflyer

Das Krankenhaus ist ein Ort des Lebens und auch des Sterbens, an dem die Erfahrung von Krankheit und Sterben in existentieller Dichte erlebt wird und Menschen mit schwierigen Lebensumständen zurecht kommen müssen.
Wenn ein Mensch krank wird, löst dies oft einen krisenhaften Prozeß aus. Krankheit bedeutet zunächst eine körperliche und seelische Beeinträchtigung und damit entsprechend Schmerz, Hinfälligkeit und Bedürftigkeit. Der Kranke hofft auf Heilung oder Linderung seiner Krankheit.

Die Krankenhäuser unserer Tage sind multikulturell und multikonfessionell. Dieser Realität muß sich die Krankenhausseelsorge bewußt sein. Die religiösen Bedürfnisse sind so plural wie die Gesellschaft, in der wir leben.

Krankenhausseelsorge ist ein Teil des gesamten seelsorgerlichen Auftrags der Kirchen, denn aus dem Evangelium Christi ergibt sich auch die Sorge für Kranke und Sterbende: "Heilt die Kranken und sagt ihnen, das Reich Gottes hat sich euch genaht" (Lk. 10,9). Ein anderes Wort Christi lautet: "Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob" (Röm. 15,7). So ist die Zuwendung und Weggemeinschaft mit Kranken und Sterbenden eine Form christlicher Nächstenliebe (Caritas/Diakonie).

Die Krankenhausseelsorge hat einen umfassenden und vielfältigen Auftrag. Der Mensch erfährt in der Krankheit die Gebrochenheit und Endlichkeit seines Daseins, aber zugleich auch die Sehnsucht nach Heilungs- und Heilsbedürftigkeit. Das bisherige Lebens- und Sinngefüge wird gestört. Wenn der Mensch krank wird, gerät er in eine "einmalige" Situation. Er betritt eine andere neue Welt - eine Welt der "Wahrheit", die ihn bisher persönlich kaum berührte. Vieles gilt nicht mehr, was vorher selbstverständlich schien. Er erfährt existentielle personale Grenzsituationen. Denn Krankheit stellt die Frage nach dem Sinn des Lebens und fordert zur Daseinsdeutung heraus. Eng mit dem Erleben von Krankheit und Sterben verbunden sind auch Gefühle der Ohnmacht, Angst und Trauer. Hinzu kommt oft der Verlust an Entscheidungsspielraum und Beeinträchtigung der Freiheit, das Gefühl der Hilflosigkeit und Abhängigkeit.

Doch Krankheit bedeutet nicht nur Krise für den Menschen in allen sei-nen Dimensionen, sie kann zugleich auch Herausforderung und Chance sein. Chance zur Neuorientierung der eigenen menschlichen Existenz. Chance, die "Wahrheit" menschlichen Lebens zu "entdecken", anzunehmen: dass Kranksein ein Teil des Lebens ist, zum Leben gehört. Der Kranke erfährt: Nicht "ich habe einen Körper", sondern "ich bin mein Körper" (Prof. Dr. Gallmeyer, Nürnberg). Lebendiger Körper ist mehr als reine Materie. Ein holländisches Sprichwort sagt: "Den Wind kann man nicht verbieten, aber man kann Windmühlen bauen." Das heißt doch: Die Krankheit und die Endlichkeit unseres Daseins kann man nicht wegdiskutieren, nicht ausblenden, aber man kann diese Wirklichkeiten als Lebenschance nutzen.

Seelsorgerinnen und Seelsorger sind bemüht, aus dem Geist Christi den ganzen Menschen in der Krisensituation seiner Krankheit mit seiner Krankheits- und Lebensgeschichte im Blick zu haben, ihn individuell zu begleiten. Wir sehen jeden Menschen als Geschöpf Gottes - und verstehen ihn von Gott her und auf Gott hin. Wir wollen ihm durch die symbolische Repräsentanz der tröstenden, liebenden und bergenden Nähe Gottes zur Seite stehen. Zum seelsorgerlichen Selbstverständnis gehört auch, den sterbenden Menschen am Ende seines Lebens zu begleiten, ihm nahe zu sein, die Ohnmacht mit auszuhalten und die Endlichkeit des menschlichen Lebens zu akzeptieren. Im Buch Kohelet steht: "Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmt Zeit: eine Zeit zum Gebären und eine Zeit zum Sterben ... Jetzt erkannte ich: Alles, was Gott tut, geschieht auf Ewigkeit hin. Man kann nichts hinzufügen und nichts abschneiden ... (Koh. 3,1f / 14,1f). Ein Sprichwort sagt: "Es gibt sternenlose Nächte, aber wir wissen, dass die Sterne beständiger sind als Wolken und Nebel" (Verfasser unbekannt). Seelsorge will Mut machen, das Evangelium - Gottes gute Botschaft vom Leben - neu zu entdecken, sich sicher immer wieder auf Gott einzulassen.


begegenen - begleiten
Zuhören
Gespräche führen
Hoffnung wecken
trösten
Mut zusprechen
Gottes Botschaft weitersagen
Gottesdienste feiern
Abendmahl - Kommunionfeiern
Krankensalbung spenden
Beichte - Versöhnung
Andacht - Meditation
Gebet - Segen
Kontaktbesuche, Begleitung von Langzeitpatienten
Begleitung von Sterbenden
Monatliche Gedenkgottesdienste für die Verstorbenen
Präsenz auf den Stationen (Rufbereitschaft)




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Pfarrer Horst Freyer, Krankenhausdekan
Pfarrerin Dorothee Bartsch
10.02.2003


DESIDERATA
Gehe ruhig und gelassen durch Lärm und Hast und sei des Friedens eingedenk, den die Stille bergen kann. Stehe, soweit ohne Selbstaufgabe möglich, in freundlicher Beziehung zu allen Menschen. Äußere deine Wahrheit ruhig und klar und höre anderen zu, auch den Geistlosen und Unwissenden; auch sie haben ihre Geschichte. - Meide laute und aggressive Menschen, sie sind eine Qual für den Geist. Wenn du dich mit anderen vergleichst, könntest du bitter werden und dir nichtig vorkommen; denn immer wird es jemanden geben, größer oder geringer als du. - Freu dich deiner eigenen Leistungen wie auch deiner Pläne. Bleibe weiter an deiner eigenen Laufbahn interessiert, wie bescheiden auch immer. Sie ist ein echter Besitz im wechselnden Glück der Zeiten. In deinen geschäftlichen Angelegenheiten laß Vorsicht walten; denn die Welt ist voller Betrug, Aber dies soll dich nicht blind machen gegen gleichermaßen vorhandene Rechtschaffenheit. Viele Menschen ringen um hohe Ideale; und überall ist das Leben voller Heldentum. - Sei du selbst, vor allen Dingen heuchle keine Zuneigung. Noch sei zynisch, was die Liebe betrifft; denn auch im Angesicht aller Dürre und Enttäuschung ist sie doch immerwährend wie das Gras. - Ertrage freundlich-gelassen den Ratschluß der Jahre, gib die Dinge der Jugend mit Grazie auf. Stärke die Kraft des Geistes, damit sie dich in plötzlich hereinbrechendem Unglück schütze. Aber beunruhige dich nicht mit Einbildungen. Viele Befürchtungen sind Folge von Erschöpfung und Einsamkeit. Bei einem heilsamen Maß an Selbstdisziplin sei gut zu dir selbst. - Du bist ein Kind des Universums, nicht weniger als die Bäume und die Sterne; du hast ein Recht, hier zu sein. Und ob es dir nun bewußt ist oder nicht: Zweifellos entfaltet sich das Universum wie vorgesehen. - Darum lebe in Frieden mit Gott, was für eine Vorstellung du auch von ihm hast und was immer dein Mühen und Sehnen ist. In der lärmenden Wirrnis des Lebens erhalte dir den Frieden mit deiner Seele. - Trotz all ihrem Schein, der Plackerei und den zerbrochenen Träumen ist diese Welt doch wunderschön. Sei vorsichtig. Strebe danach, glücklich zu sein.



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Aus der alten St. Pauls Kirche, Baltimore, 1692